Colombie 2017

Menschenrechtsbegleitung

Mit wachsamer Präsenz Menschenrechte schützen

Die Entsendung internationaler Beobachter- und BegleiterInnen in Krisenregionen hat sich als wirkungsvolles Instrument erwiesen. Es schützt und stärkt Menschen, die sich mit gewaltfreien Mitteln für Konfliktlösung, Mitsprache, die Einhaltung der Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Verfassungsmässigkeit einsetzen. Menschen, die aufgrund solcher Aktivitäten bedroht sind, erhalten durch internationale Präsenz mehr Freiraum: sie können vermehrt ihrer täglichen Arbeit und Aktivität nachgehen und buchstäblich ruhiger schlafen. Den konstanten psychischen Druck, der auf ihnen lastet, können sie mit den ausländischen Anwesenden teilen, und sie wissen, dass sie von diesen solidarisch mitgetragen werden.


Sehen und gesehen werden

Die internationale Menschenrechtsbegleitung basiert auf dem Prinzip «sehen und gesehen werden». Die Beobachterinnen und Beobachter sind die Augen und Ohren der internationalen Öffentlichkeit vor Ort. Sie sehen und dokumentieren, was vor sich geht und berichten darüber; gleichzeitig werden sie gesehen, ihre Visibilität ist beabsichtigt und von den Begleiteten gewünscht. Die Beobachtenden informieren die nationalen, regionalen und lokalen Behörden über ihre Anwesenheit und sind mit ihren grünen Gilets als Menschenrechtsbeobachterinnen und -begleiter erkennbar. Ihre Präsenz hat auf potentielle Aggressoren eine abschreckende Wirkung und bietet den Begleiteten einen gewissen Schutz, da sie die Schwelle zur Gewaltanwendung erhöht. Sie stärkt gewaltfreie Mechanismen der Konflikttransformation, macht Initiativen der Zivilbevölkerung sichtbar, schafft und vermittelt Kontakte. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz berichten die Einsatzleistenden von ihren Erlebnissen und Eindrücken. Als glaubhafte Zeuginnen und Zeugen der Situation vor Ort leisten sie sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei politischen Instanzen in der Schweiz Informations- und Sensibilisierungsarbeit. Sie berichten über die Kämpfe der Begleiteten im jeweiligen Land und schaffen Verbindungen zwischen den Zivilbevölkerungen hier und dort. Die internationale Menschenrechtsbegleitung ist prinzipiell gewaltfrei, die Arbeit der Partnerorganisationen basiert auf dem Prinzip des gewaltfreien Handelns. Sie arbeiten nicht mit Gruppierungen zusammen, die bewaffnet sind oder andere Formen der Gewalt anwenden.


Begleitung durch Freiwillige

Die PWS-BeobachterInnen erhalten keinen Lohn. Sie tragen im Gegenteil einen Teil der Ausbildungskosten in der Schweiz (Übernachtung und Verpflegung) sowie der Aufenthaltskosten vor Ort selbst. Für viele Freiwillige wird ein solcher Einsatz zu einem einzigartigen und bereichernden Erlebnis. Nach ihrer Rückkehr engagieren sie sich mit Informations- und Sensibilisierungsarbeit in ihrem Umfeld und darüber hinaus. Damit erreichen sie sehr unterschiedliche Personengruppen und verbreiten Wissen über die Konfliktursachen und die Situation der Menschen vor Ort. Auch tragen sie in der Schweizer Öffentlichkeit zu einem besseren Verständnis von Themen wie Menschenrechte, Frieden oder Konfliktursachen bei. Sie berichten aus eigener Erfahrung, wie wichtig Menschenrechtsarbeit und Konflikttransformation für die benachteiligte Zivilbevölkerung im globalen Süden sind. Die positive Rolle, die Freiwillige speziell in Projekten zur Förderung von Frieden und menschlicher Sicherheit spielen, wurde von der UNO-Generalversammlung im November 2015 betont und in seine Agenda 2013 aufgenommen.