Einsatz

Training 2017

Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung für einen Einsatz ist Peace Watch Switzerland (PWS) sehr wichtig. Sie gibt den Einsatzleistenden einerseits die notwendige Sicherheit, die Instrumente und das Wissen, um vor Ort gute Arbeit leisten zu können. Andererseits lernt PWS die Freiwilligen kennen, bevor das Mandat für einen Einsatz erteilt wird.

Darüber hinaus trägt PWS gegenüber den lokalen Partnerorganisationen und der einheimischen Bevölkerung der Einsatzregion die grosse Verantwortung, gut vorbereitete BeobachterInnen zu entsenden, die den Kontext kennen und wissen, wie sie sich in den verschiedenen, z. T. schwierigen Situationen verhalten müssen.

1. Persönliche Vorbereitung

Einem Einsatz mit PWS geht ein persönlicher Entscheidungsprozess voraus. Dazu gehört das Interesse für und die Auseinandersetzung mit der Thematik der Menschenreche, dem Kontext des Projektlandes und je spezifischen Themen wie z.B. der Landfrage, dem Abbau von natürlichen Ressourcen oder der Friedensförderung von der Basis her. Die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten wie gute Sprachkennnisse, schriftlicher Ausdruck, Umgang mit sozialen Medien und die Bereitschaft, sich den einfachen Lebensbedingungen im Projektgebiet anzupassen, gehören ebenfalls dazu.

2. Kontaktaufnahme mit der/dem Projektverantwortlichen und Bewerbungsgespräch

Als zweiter Schritt findet ein erster Kontakt mit der/dem Projektverantwortlichen statt, um offene Fragen zum Projekt und Einsatz zu klären. Zu einem späteren Zeitpunkt wird bei bestehendem Interesse ein Bewerbungsgespräch geführt.

3. Training

Das Training vor dem Einsatz bietet eine optimale Vorbereitung auf die Tätigkeit als MenschenrechtsbeobachterIn. Der effektive Schutz der Menschenrechte setzt Wissen und ein Bewusstsein für die Situation des Einsatzgebietes voraus. Vermittelt werden sowohl Hintergrundwissen als auch die Fähigkeit, sich in einer anderen als der eigenen Kultur zu bewegen und in soziale Interaktion mit der lokalen Bevölkerung und staatlichen Entscheidungsträgern (Behörden, Polizei, RichterInnen) zu treten. Für noch Unentschlossene können Einzelgespräche den Entscheid erleichtern, ob sie wirklich einen Einsatz leisten wollen und sich dafür geeignet sehen. Das Training kann helfen, Fragen wie "will ich das?" oder "kann ich das?" zu beantworten. Die Teilnahme an einem Vorbereitungsseminar ist obligatorisch, verpflichtet die Freiwilligen aber noch nicht zu einem Einsatz.

4. Abschluss Bewerbungsverfahren

Das Training stellt den zweiten und letzten Teil des Bewerbungsverfahrens dar. Nach dem Training wird die Kandidatur definitiv akzeptiert, oder in seltenen Fällen abgelehnt.

5. Ausreisevorbereitung

Danach kann das definitive Ausreisedatum mit der/dem Projektverantwortlichen fixiert und dir praktischen Vorbereitungen können an die Hand genommen werden: Beantragen eines Visums (wo nötig), Sicherstellen des Versicherungsschutzes, Impfungen etc. Zudem wird ein Plan für die Öffentlichkeits- und Sensibilisierungsarbeit der/des Freiwilligen während und nach dem Einsatz erarbeitet. Die PWS-Mitarbeitenden unterstützen die Freiwilligen in diesem Vorbereitungsprozess.

* Erfahrung in gewaltfreiem Engagement und Solidaritätsarbeit erwünscht
* Interesse und Bereitschaft, sich umfassend über das Einsatzland und die Region zu informieren
* Reiseerfahrung und interkulturelle Sensibilität
* Teamfähigkeit und soziale Kompetenz
* Flexibilität und Fähigkeit, angespannte, kritische Situationen und wechselhafte Umstände auszuhalten
* Fähigkeit und Bereitschaft in bescheidenen Lebensverhältnissen zu leben
* Kenntnisse im Umgang mit Computer und Kommunikationsmedien (E-Mail, Mobile, Skype, Blogs)
* Kranken- und Reiseversicherung sowie Impfschutz
* Das Training ist obligatorisch für einen Einsatz.

Projekte - Mindestdauer & Mindestalter

Kolumbien: mindestens 4 Monate / 23 Jahre
Guatemala: mindestens 6 Monate / 23 Jahre
Honduras: mindestens 6 Monate / 25 Jahre
Palästina/Israel: 3 Monate / 25 Jahre

Körperliche und psychische Belastbarkeit

Körperliche und psychische Belastbarkeit sind eine nicht zu unterschätzende Voraussetzung. Die Freiwilligen leben in - aus europäischer Sicht - sehr einfachen Verhältnissen, sowohl hinsichtlich der Unterkunft als auch der Ernährung. Manchmal müssen die BeobachterInnen einige Stunden zu Fuss gehen, um an den gewünschten Ort zu gelangen. Die Einsatzleistenden befinden sich überdies in einem Konfliktgebiet.

Gute Englisch- oder Spanischkenntnisse (projektabhängig)

Ausreichende Fremdsprachenkenntnisse sind notwendig für die Kommunikation mit den Einheimischen und den Behörden, mit den anderen Freiwilligen, mit den Mitarbeitenden der Partnerorganisation und nicht zuletzt auch für die eigene Sicherheit. Für Palästina/Israel sind darüber hinaus Arabisch- und/oder Hebräischkenntnisse wünschenswert.

Eigenfinanzierung

Da Peace Watch Switzerland eine Organisation mit einem kleinen Budget ist, müssen die Freiwilligen ihre Einsätze mitfinanzieren. Je nach Saison muss mit Mindestkosten von 2'000.– bis 3'000.– Franken gerechnet werden, wobei der grösste Anteil auf das Flugticket entfällt. Die Lebensunterhaltskosten in den Einsatzgebieten sind um einiges tiefer als in Europa.

Nachbereitung - Einsatzauswertung

Die Einsatzleistenden verpflichten sich, an der von Peace Watch Switzerland organisierten eintägigen Nachbereitung teilzunehmen. Der Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmenden steht dabei im Mittelpunkt, Öffentlichkeitsarbeit und weiteres Engagement werden ebenfalls thematisiert.

Öffentlichkeitsarbeit

Nach der Rückkehr aus einem Einsatzgebiet erwarten Peace Watch Switzerland und die vor Ort begleiteten Organisationen und Personen von den BeobachterInnen, dass sie ihre Erfahrungen und ihr während des Einsatzes angeeignetes Wissen in der Schweiz weitergeben: Sie schreiben Artikel in Zeitungen oder Zeitschriften, halten öffentliche Vorträge oder engagieren sich anderweitig. Die RückkehrerInnen leisten mit dieser Nachbereitung erstens einen wesentlichen Beitrag zur Sensibilisierung der Schweizer Öffentlichkeit für die Menschenrechtssituation in den Einsatzgebieten. Zweitens unterstützen sie PWS bei der Suche nach neuen MenschenrechtsbeobachterInnen und fördern so die Kontinuität des Projektes.

Eigenverantwortung

Die freiwilligen Menschenrechtsbegleitenden werden in ein Gebiet geschickt, in dem ein Konflikt herrscht. PWS und die Projektverantwortlichen vor Ort tun ihr Möglichstes, um die Freiwilligen gut auf ihre Aufgaben vorzubereiten und zu informieren. Die Situation in den einzelnen Konfliktregionen wird immer wieder evaluiert, um eventuelle Risiken so gering wie möglich zu halten. Der endgültige Entscheid, einen Einsatz zu leisten, und die Verantwortung dafür liegen aber letztlich bei den Freiwilligen selbst.

Am Ausbildungstraining beschäftigen sich die Teilnehmenden mit Interkulturalität sowie der aktuellen Situation in den Einsatzländern in Lateinamerika oder dem Nahen Osten. Mit Vorträgen, Gruppenarbeiten und Rollenspielen eignen sie sich das Grundwissen über die jeweilige Einsatzregion, die Aufgaben als MenschenrechtsbeobachterIn, Menschenrechte sowie Verhaltens- und Sicherheitsregeln an.

Dauer

Pro Projektregion finden zwei Trainings pro Jahr statt. Die Trainings für Palästina/Israel dauern eine Woche (Sonntagabend bis Samstagnachmittag), die Trainings für Guatemala, Kolumbien und Honduras dauern vier Tage. Die jeweils genauen Daten finden Sie auf dem Anmeldeformular.

Sprache

Das Ausbildungstraining für das Projekt in Palästina/Israel wird auf Englisch abgehalten, jenes für die Projekte in Lateinamerika auf Spanisch. Die Kenntnisse der jeweiligen Sprache müssen gut genug sein, um ein Gespräch führen, eine Präsentation verstehen und sich an Rollenspielen und anderen gemeinsamen Aktivitäten beteiligen zu können. Dies gilt auch dann, wenn für die Zeit zwischen dem Training und dem Einsatz noch ein Sprachkurs vorgesehen ist.

Anmeldung

Anmeldeschluss ist in der Regel rund ein Monat vor Beginn der Ausbildung. Bitte nehmen Sie frühzeitig Kontakt mit der/dem Projektverantwortlichen auf, damit das Bewerbungsgespräch noch vor Anmeldeschluss geführt werden kann.
Die Trainingsgebühr muss vor Kursbeginn bezahlt werden.

Kosten

PWS übernimmt den Grossteil der Kosten der organisatorischen Infrastruktur, der KursleiterInnen und ReferentInnen. Der Beitrag der Teilnehmenden enthält die Kosten für Übernachtung und Verpflegung während der ganzen Ausbildung, die eintägige Nachbereitung nach dem Einsatz sowie einen kleinen Anteil an die Gesamtkosten der Ausbildung. Eine Reduktion dieses Beitrags kann von Peace Watch Switzerland nicht gewährt werden.

Kosten Training Israel/Palästina: CHF 700.- (inkl. Nachbereitung)

Kosten Training Lateinamerika (Guatemala, Kolumbien, Honduras): CHF 400.- (inkl. Nachbereitung)

Daten

PALÄSTINA/ISRAEL

15. bis 21. September 2019 (Sonntagabend 18.00 Uhr bis Samstag, 14.00 Uhr)
Ort: Jugendherberge Zofingen
Anmeldeschluss: 10. August 2019

Infos: eappi(at)peacewatch.ch


LATEINAMERIKA (GUATEMALA, HONDURAS, KOLUMBIEN)

21. bis 23. November 2019 (Donnerstag, 9.30 bis Samstag, 18.30)
Ort: Jugendherberge Zofingen
Anmeldefrist Training: 16. Oktober 2019
Bewerbungsfrist: 6. Oktober 2019

Infos: magali.grossenbacher(at)peacewatch.ch (Guatemala), caroline.ritter(at)peacewatch.ch (Kolumbien), marianne.widmer(at)peacewatch.ch (Honduras)

Israël/Palestine Michelle
Palestine/Israël Pia
Honduras Isabel
Honduras Isabel
Colombie Judith
Colombie Antonin
Guatemala ACOGUATE
Guatemala ACOGUATE

Schutzbegleitung

In einem international gemischten Team sind die internationalen BeobachterInnen und BegleiterInnen in verschiedenen Regionen und oder Dörfern präsent. Je nach Projekt und Einsatzort machen sie regelmässige Rundgänge durch die Dörfer, begleiten die Menschen im Dorf auf dem Weg zur Arbeit, auf die Felder oder an Gerichtsverhandlungen und bei Behördengängen. Bei Versammlungen oder Sitzungen der lokalen Organisationen und Behörden sind sie dabei, ohne sich selber in die Gespräche einzumischen. In Palästina/Israel sind die BeobachterInnen an den zahlreichen Checkpoints und Übergängen präsent oder begleiten palästinensische Kinder auf ihrem Schulweg.

Menschenrechtsverletzungen dokumentieren und weiterleiten

Die internationalen Beobachtenden dokumentieren Ereignisse, Übergriffe auf Gemeinden oder Menschenrechtsverletzungen sowie die allgemeine Situation in den Dörfern. Diese Informationen leiten sie an die Partnerorganisationen im Einsatzland und an PWS weiter. Nach ihrer Rückkehr leisten sie in der Schweiz Öffentlichkeitsarbeit und sensibilisieren so die schweizerische Zivilbevölkerung für den Konflikt im Einsatzland.

Nachbereitung

Nachbereitung

Um den BeobachterInnen ein erstes geeignetes Gefäss für Austausch und Auswertung nach dem Einsatz anzubieten, führt PWS zweimal jährlich ein Debriefing durch.

Während dieser Einsatzauswertung haben die Zurückgekehrten Zeit, mit Freiwilligen aus allen Projektregionen ausführlich über den Einsatz zu reden und ihre Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen. Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge zum Projekt fliessen so zurück in die Organisation, werden aufgenommen und weiterbearbeitet.

Ziele der Nachbereitung:

  • Gesprächsraum für Austausch über die z. T. emotional schwierigen Erlebnisse anbieten
  • Einen Austausch zwischen Freiwilligen aus unterschiedlichen PWS-Projekten in Gang bringen
  • Ideen und Synergien bündeln und koordinieren