Fijáte! Nr. 539, Mittwoch, 24. Juli 2013

Konfliktgebiete
Im Allgemeinen und speziell im Bergabbausektor muss nach konfliktreichen Gebieten auch nicht lange gesucht werden: Da wären La Puya in San José del Golfo und San Pedro Ayampuc, Department Guatemala, wo die Gemeinden seit eineinhalb Jahren friedlich gegen die Bergmine Progreso VII Derivada, Eigentum der US-amerikanschen FirmaKappes, Cassiday & Associates (KCA), protestieren.
Am 9. Juli 2013 wurde der Aktivist Santos Fidel Ajau Suret von Unbekannten von einem Motorrad aus erschossen. Am Sonntag zuvor hatte er Drohungen von Personen erhalten, die zuvor bei einer von der Minenfirma organisierten Kundgebung gesehen worden seien, so ein Sprecher von Madre Selva. Am selben Abend wurde das Haus der bereits im letzten Jahr bei einem Anschlag verletzten Aktivistin Yolanda Oquelí beschossen. Oquelí mutmasst, dass die gewaltsamen Übergriffe mit einem Prozess zusammenhängen könnten, der seit Ende der vorhergehenden Woche gegen zwei Mitarbeiter des Minenprojektes geführt werde. Ihnen wird vorgeworfen, JournalistInnen des Zentrums für unabhängige Medien, die die Konflikte begleiten, angegriffen zu haben. Rodrigo Maegli, Sprecher der Firma Exploraciones Mineras de Guatemala (Exmingua), gab zwar gegenüber der Zeitung zu, dass die beiden Mitarbeiter manchmal aus der Haut fahren würden, aber das habe nichts mit dem jetzigen Mord an zu tun. Verschiedene internationale Menschenrechtsorganisationen und ADA in Österreich haben zu einer Eilaktion über diesen Fall aufgerufen. Bisher gibt es sie nur in Französisch und auf https://www.frontlinedefenders.org/node/23263/action in Englisch. Bekannt ist auch der Konflikt um die Mine Marlin in San Miguel Ixtahuacán, Departement San Marcos, der schon seit 2005 andauert und internationale Aufmerksamkeit erlangte. Seit einiger Zeit macht ebenso San Rafael de las Flores im Department Santa Rosa Schlagzeilen - vor allem aufgrund von Gewaltausschreitungen. Nicht zu vergessen der Konflikt um die Zementfabrik in San Juan Sacatepéquez die nun trotz des Widerstands und dem Einspruch von 12 Gemeinden letztendlich eröffnet wurde. Die Folge der Proteste in San Juan Sacatepéquez ist eine Militarisierung des Gebiets. In der Nacht vom 18. zum 19. Juli besetzte das Militär verschiedene Punkte des Stadtkreises, ebenso wie Zugänge zur Stadt. Mindestens fünf Militärkontrollpunkte, unterstützt durch Polizei, begaben sich in der Nacht auf ihre Posten. Am 19. Juli demonstrierten die 12 Gemeinden im Widerstand gegen die Einweihung der Zementfabrik. Trotz rechtsmässiger Proteste, des Übereinkommens 169 der ILO und der Volksabstimmung vom Mai 2007, die mit 8934 Nein- und 4 Ja-Stimmen gegen das Projekt von Cementos Progeso stimmte, wurde die Zementanlage letztendlich durch die Firma und den Staat durchgesetzt. In diesem Rahmen ist auch die Demonstration vom 5. Juli zu erwähnen, an der mehr als 12'000 Personen gegen die Inbetriebnahme der Zementanlage protestierten. Nicht nur, dass die Proteste der direkt betroffenen Gemeinden und der solidarischen Menschen ignoriert wurden, vielmehr wurden sie kriminalisiert. Mariano Camey Car, Mitglied des Stadtrats von San Juan Sacatepéquez und bekannter Vertreter der Verteidigung der Kachikel-Territorien sowie der Resistenz gegen die Zementanlage, wurde am 13. Juli in der Hauptstadt von der PNC verhaftet. Unverzüglich versuchte die Familie, etwas über die Gründe der Verhaftung herauszubekommen. Als die Gemeindeführer Lorenzo Car Hernández und Margarito Camey Zet sich darum kümmern wollten, wurden auch sie verhaftet. So wie Camey haben auch die beiden Aktivisten seit langem ihre kritische Position gezeigt und ihren unbedingten Willen, ihr Land gegen Megaprojekte wie die der Zementproduktion zu verteidigen. An Verhaftungen und Kriminalisierung der Proteste, Gewaltanwendung und Spaltung der Gemeinden und Familien – um nur einige Taktiken zu nennen - wurde und wird in keinem der Fälle gespart. Und dabei sind das nur die bekanntesten. Ob das Moratorium des Präsidenten daran etwas ändern wird? (CEG, Pressemitteilung CUC, Zentrum für unabhängige Medien, Prensa Libre, La Hora)

 
 

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