Menschenrechtsbegleitung in Guatemala

Menschenrechtssituation in Guatemala

Guatemala erlebte von 1960-96 einen Bürgerkrieg. Trotz des Friedensschlusses zwischen der Regierung und der Guerilla Ende 1996 hält die sehr labile gesellschaftliche Situation im Land an. Die Folgen des Krieges sind noch lange nicht aufgearbeitet und in einigen Regionen nach wie vor sehr präsent. Es gibt heute im Durchschnitt mehr gewaltsame Todesfälle pro Tag als während des bewaffneten Konflikts. Guatemala ist geprägt von einer Kultur der Straflosigkeit mit einer Straflosigkeit bei Tötungsdelikten von 95%. Die Straflosigkeit betrifft einerseits die Verbrechen, die während des Bürgerkriegs begangen wurden, andererseits die aktuellen Gewalttaten. Dazu gehören Drohungen, Belästigungen und tätliche Angriffe bis hin zu Morden an MenschenrechtsverteidigerInnen, GewerkschafterInnen und Führungspersonen indigener und bäuerlicher Basisorganisationen sowie ihren Angehörigen. Am stärksten von Übergriffen betroffen waren in den letzten Jahren MenschenrechtsverteidigerInnen, die sich für eine intakte Umwelt einsetzen (z. B. gegen ein geplantes Bergbau- oder Wasserkraftprojekt).

Gewalt und Straflosigkeit sind in Guatemala nach wie vor an der Tagesordnung. In den letzten Jahren hat sich zudem die Strategie der Kriminalisierung von Menschen und Organisationen, die sich für die Menschenrechte und die verfassungsmässigen Rechte einsetzen, verstärkt. Immer mehr Menschen-rechtsverteidigerinnen und -verteidiger (MRV) werden wegen einer Straftat oder eines Verbrechens angeklagt, das sie nicht begangen haben. Dadurch werden die Angeklagten, ihre Familien und die Gemeinden oder Organisationen, denen sie meist als Führungsperson angehören, hart getroffen. Anstatt sich weiterhin dem gewaltfreien Kampf für ihre Rechte widmen zu können, werden ihre Kräfte und Ressourcen in juristischen Prozessen aufgerieben.

Wie dringend notwendig die internationale Begleitarbeit ist, zeigen die Zahlen der letzten Jahre: Nach einer sprunghaften Zunahme von Gewalttaten gegen MenschenrechtsverteidigerInnen im Jahr 2012 erreichten sie 2015 einen Höhepunkt. 2016 nahm die Anzahl Übergriffe ab, doch waren die begangenen Menschenrechtsverletzungen schlimmer, es wurden mehr Morde und Mordversuche verübt. 2017 kam es erneut zu einem allgemeinen Anstieg der Angriffe auf MenschenrechtsverteidigerInnen. Am stärksten bedroht waren, wie bereits im Vorjahr, indigene Gemeinschaften und UmweltschützerInnen, JournalistInnen und MenschenrechtsverteidigerInnen, die sich für juristische Gerechtigkeit einsetzen.

Peace Watch Switzerland in Guatemala

Peace Watch Switzerland (PWS) arbeitet in Guatemala an dem internationalen Begleitprojekt ACOGUATE (Projecto de Acompañamiento Internacional en Guatemala) mit. Dieses erhält zahlreiche Begleitanfragen von Organisationen, Gemeinschaften und Personen aus den Bereichen Kampf für juristische Gerechtigkeit und gegen die Straflosigkeit sowie Verteidigung des Territoriums und der natürlichen Ressourcen. Mit dem Instrument der Menschen-rechtsbegleitung geben die internationalen Freiwilligen den Begleiteten ein Stück weit Schutz und Sicherheit und halten ihnen den Rücken frei für ihr wichtiges Engagement im Namen der Menschenrechte.

Peace Watch Switzerland entsendet jährlich zwischen drei und zehn Freiwillige als Menschenrechtsbegleitende nach Guatemala, wo sie einen mindestens sechsmonatigen Einsatz leisten.

Weitere Informationen finden sich unter Hintergrund.

 
 

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